Vertrauen in den Fluss des Lebens und Verantwortung

08.08.2015

 

"Ich lebe in der Liebe und ich bin in der Liebe.“ Dieser Satz ist zentral, wenn es darum geht die eigene Seele zu befreien. Wir dürfen in uns selbst ankommen, damit sich die Liebe in unseren Herzen, gleich einer wunderschönen Blüte, entfalten kann. In der neuen Zeit geht es in erster Linie darum, in allen Belangen zu sich zu stehen, nichts ausserhalb des eigenen Herzens zu suchen und sich in das eigene Herz hinein zu entfalten. Es geht darum, uns selbst gegenüber treu zu sein und frei aus dem Herzen heraus zu leben, indem wir in den aktuellen Moment, in das „Hier und Jetzt“ abtauchen. Wenn es uns gelingt im Abtauchen innerlich vollständig loszulassen, ohne etwas für das eigene Ego zu wollen, bedeutet das, uns selbst ein Stückchen hinzugeben und uns voll und ganz zu entspannen.

Viele von uns versuchen krampfhaft etwas aufrecht zu erhalten. Wir wollen das, was wir bisher im Leben erreicht haben unter allen Umständen festhalten. Wir halten an noch nicht erreichten Zielen fest und sind nicht bereit, uns dem lebendigen Strom des „Hier und Jetzt“ zu überlassen.


Überlassen wir uns für einen Moment dem „Hier-und-Jetzt-Strom“ und fühlen wie gut das tut! Alle Ziele loslassen, alle aufgehäuften Stress-Verpflichtungen hinter uns lassen und nur sein. Wenn wir den Anspruch haben, uns ganz dem Augenblick zu überlassen, wird es für uns eng: „Ich kann mich nicht vollständig dem Hier und Jetzt überlassen. Gut, vielleicht in den Ferien oder wenn ich meinem Hobby fröne oder wenn ich in den Armen meiner Frau liege. Aber ich habe Verpflichtungen existentieller Art; ich habe dafür zu sorgen, dass meine Kinder etwas zu Essen auf dem Tisch haben etc.“


Der Kampf um die eigene Existenz verhindert ein vollständiges Ankommen im Herzen und ein entspanntes Loslassen. Die eigene Existenz hier auf Erden will aufrecht erhalten werden und erfordert grossen und beständigen Einsatz. Sich auszuruhen und die Dinge „dem göttlichen Fluss zu überlassen“ können wir uns nicht leisten.


Wenn wir lernen wollen im Herzen loszulassen und im Vertrauen zu leben, dass „für uns gesorgt ist“, haben wir alle noch viele innere Wiederstände abzubauen.


Geben wir die Verantwortung ab und leben im Bewusstsein „für mich ist gesorgt“, wissen wir im Voraus nicht wie der Lebens-Fluss, der unsere Existenz erhält und ernährt, fliessen wird. Lassen wir in der Tiefe vollständig los und vertrauen darauf, dass das Geld und das was wir benötigen, um ein erfülltes und erfolgreiches Leben zu führen, uns zufliesst, können die Dinge, die wir benötigen, in jedem Moment, aus jeder Richtung und auf jede erdenkliche Art und Weise auf uns zukommen.


Um ins Vertrauen hinein zu wachsen, müssen wir uns auf eine verantwortliche Instanz beziehen, die für uns sorgt. Doch wer oder was übernimmt die Verantwortung für den nährenden Strom des Lebens, der unsere Existenz sichert? Welche Instanz soll das sein, wenn nicht wir selbst? Wir haben dafür zu sorgen, dass es uns an nichts mangelt und die Geldkasse am Ende des Monats uns ermöglicht, die fälligen Rechnungen zu bezahlen. Wir sind es, die dafür zu sorgen haben, dass sich der Geldbeutel immer und immer wieder füllt. Es gibt tatsächlich keinen allliebenden Nachbarn, der am Ende des Monats an unsere Haustüre klopft und sagt: “Hallo, bringe mir mal bitte Deinen Geldbeutel, damit ich ihn für den kommenden Monat füllen kann!“


Mein Vorschlag, beiden Qualitäten Rechnung zu tragen, ist der Folgende: „Ich vertraue darauf, dass mir das Leben die richtigen Dinge zukommen lässt und ich gebe einen Drittel der Verantwortung dem Leben ab. Ich vertraue dir Leben! Du meinst es gut mit mir und du sorgst für mich!“ Übrig bleiben immer noch zwei Drittel, für die wir wie gewohnt die Verantwortung übernehmen können: „Ich stehe jeden Morgen auf, tue meine Arbeit und gebe nur so viel aus, wie tatsächlich in meinem Gelbeutel ist.“
Es geht nicht darum blind in den Tag hineinzuleben und sich auf Kosten anderer ein gutes Leben zu machen. Aber sich noch vertrauensvoller dem nährenden und unterstützenden Lebensfluss zu öffnen, wäre für viele von uns wünschenswert und würde uns unabhängiger machen. Viele von uns müssen Kompromisse machen mit ungeliebten Strukturen, um die eigene Existenz zu sichern. Sich von solchen Strukturen längerfristig zu befreien, geht nur mit einem grösseren Vertrauen in das nährende und sorgende Prinzip des Lebens.


Es gibt Zeiten, die von uns verlangen mehr Vertrauen in den Fluss des Lebens aufzubauen und anzuerkennen, dass es das Leben gut mit uns meint und uns liebt. Zu anderen Zeiten ist es wichtig, aktiv die eigenen Wünsche zu manifestieren und dafür zu sorgen, dass sich die Dinge den Herzenswünschen entsprechend manifestieren. „Ich lasse los und vertraue“ aber auch „ich stehe hin und sorge dafür, dass sich die Dinge so entwickeln, wie ich mir wünsche.“


Manchen von uns gelingt es besser sich dem passiven Strom des Vertrauens hinzugeben, abzuwarten und die Dinge sich entwickeln zu lassen. Andere verstehen es besser die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und aktiv auf ihre Ziele hinzuarbeiten. Wer beide Kräfte in harmonischer Verbindung zu handhaben versteht, der weiss wann es nötig ist aktiv in das Geschehen einzugreifen und wann es wichtig ist mit den Händen im Schoss abzuwarten, um den Dingen Raum zu geben sich zu entwickeln. Es lohnt sich kurz nachzuspüren, zu welchen der beiden Haltungen wir neigen und ob wir in der Lage sind mit beiden Kräften gleichwertig umzugehen.


Die heutige Zeit erfordert von uns, dass wir uns im Einklang mit unseren Herzen bewegen, nichts tun, was ausserhalb unseres „Herz-Kreises“ ist und immer in Verbindung mit den eigenen inneren Herzzielen agieren. In unserem Herzen zu ruhen und aus unserem Herzen heraus zu wirken, ermöglicht uns frei im Hier und Jetzt zu „schwingen“ und uns gleichzeitig aktiv dem Leben zuzuwenden.


Das Herz weiss um die Gesetzmässigkeit von Loslassen, Ruhen, Abwarten einerseits und dem „sich tätig dem aktiven Strom zur Verfügung stellen“ andererseits. Wir sind in der heutigen Zeit genötigt, ganz besonders und immer mehr auf unsere Herzen zu achten. Viele von uns übergehen den natürlichen Rhythmus von „Loslassen“ und „aktiv Impulse setzen“.


Lehnen wir uns für einen Moment zurück und fragen wir uns, ob es uns möglich ist noch mehr für unser Herz zu tun. Erlauben wir uns genügend loszulassen und zu regenerieren neben unseren Tätigkeiten? „Ich darf mich regenerieren und ich darf tief in mir loslassen.“


Eine kleine Übung, um uns zu Bewusstsein zu bringen, wo wir bezüglich dieses Themas stehen: Versuche in der Vorstellung aus dir heraus zu treten und dich selbst von aussen zu betrachten, aber nicht als menschliche Gestalt, sondern visualisiere dich als Ball. Lasse nun diesen Ball in deiner Vorstellung hüpfen. Hüpft er kräftig und freudvoll oder müde und schlapp? Wenn der Ball müde und schlaff hüpft, fehlt es dir an Regeneration. Wenn du als Ball elastisch und freudvoll hüpfst, bist du lebendig und im Gleichgewicht deiner Kräfte gut unterwegs. Wenn du als Ball schwerfällig hüpfst und nicht vom Fleck kommst, hast du eine Pause nötig. Machst du diese Vorstellungs-Übung einmal wöchentlich über längere Zeit und kommst immer zu einem negativen Ergebnis, solltest du in Betracht ziehen, manche Dinge in dir und in deinem Leben zu verändern. Versuche nun dir vorzustellen, wie du als Ball freischwebend im Raum dahinsegelst ohne Ziel und ohne Festhalten. Schwebt der Ball in deiner Vorstellung leicht und fliessend? Dann darfst du darauf vertrauen, dass in dir genügend Gleichklang mit den nährenden und tragenden Kräften des Universums vorhanden ist. Bleibst du in der Vorstellung als Ball am Boden kleben oder hängst schwerfällig in der Luft stagniert dein Lebensstrom.
Die Grundüberforderung, der heute viele Menschen ausgesetzt sind, höhlt den Menschen schleichend aus und häufig wird zu spät erkannt, wie wichtig es wäre Veränderungen einzuleiten.


„Ich vertraue dem Leben und übernehme die Verantwortung für meine Kräfte und für die wahren Bedürfnisse meines Herzens.“ wäre hier der Schlüsselsatz.

 

Mit herzlichen Grüssen
Anita