Unser Schatten

10.10.2015

 

In der Liebe zu sein ist für das Herz eine grosse Freude. Wenn ein Herz durchdrungen ist von der Energie der Liebe, fühlt sich das Herz grossartig, leicht und ist glücklich. Es ist sozusagen die „Berufung“ des Herzens Liebe fliessen zu lassen.
Der Bauch hat seelisch gesehen ein anderes Anliegen als das Herz: er möchte „sich hinstellen“ können und tätig sein. (Ich spreche gerne von Herz und Bauch als wären sie Wesen und tatsächlich zeigen sie sich der inneren Wahrnehmung wesenhaft.)
In Zeiten des Umbruchs und der Wandlung wie wir sie jetzt haben, sind wir herausgefordert uns klar auf die Seite des Lichtes zu stellen ohne den Schatten zu verneinen.

Der Schatten gehört zu unserer Erfahrungsebene und ist als Erlebnis für die erwachende Seele nicht wegzudenken. Der Schatten kann uns auf mannigfaltige Art und Weise begegnen. Zuallererst in uns selbst als Begrenzung: wir erleben immer wieder, wie sehr wir uns selbst im Weg stehen. „Der Schatten möchte uns helfen aufzuwachen“. So falsch ist dieser Satz nicht. Der Schatten weckt in uns das Bedürfnis nach Veränderung, nach Wachstum, nach Fülle und Freiheit. Immer da, wo die Seele anstösst und unzufrieden ist mit dem Ergebnis, wacht sie auf und sucht Möglichkeiten zur Veränderung.


Noch ein weiterer Punkt, der für die innere Annahme und die Versöhnung mit dem Schatten spricht: die Begegnung mit dem Dunkeln lässt uns erstarken und uns selbst immer stärker als das Licht erkennen, das wir sind. Die Begegnung mit dem Schatten ist also für die menschliche Entwicklung, insbesondere in dieser Zeit, nicht wegzudenken und doch haben wir alle grosse Mühe ihn zu akzeptieren.


In esoterischen Reihen träumen manche von einer heilen Welt: „Wann endlich wird das Licht und die Liebe siegen?“. Andere verbinden sich unbewusst mit dunklen Ebenen und wieder andere stellen sich den Kräften der Dunkelheit bewusst zur Verfügung. Obwohl es eine Zeit ist, in der vieles hochgespült wird, gibt es viele verschleiernde Kräfte, die uns vormachen wollen, sie brächten die Wahrheit zum Ausdruck.


In diesem ganzen Szenario zu wissen wo man sich innerlich hin orientieren will, ist für manchen von uns eine grosse Herausforderung.


So bittet uns die geistige Welt immer wieder Bezug zu nehmen zu unserem eigenen Herzen und dessen feine Stimme im Innern kennenzulernen. Die Unterscheidung im eigenen Herzraum: „Welche innere Stimme gehört zu meinem Seelenkern?“ fällt zu Beginn nicht immer leicht. Um diese helfende Stimme im Innern zur Verfügung zu haben, sollte der Weg der inneren Befreiung beschritten werden. Das Lichtvolle im eigenen Herzen ist häufig zugedeckt mit alten Energien der Orientierungslosigkeit, der Einsamkeit und der Verlassenheit. Es gilt diese alten und häufig unbewussten Energien, die die Herzenergie blockieren abzulösen, um das eigene Herz immer mehr als Kompass zur Verfügung zu haben.


Versuchen wir zu verstehen, dass in der heutigen Zeit in unserer Seele die Dinge nicht „von alleine“ in Ordnung sind. Wie unser Körper regelmässige Reinigungen benötigt, bedarf unsere Seelen ebenso regelmässige Reinigungen. Wie für unseren Körper regelmässig Nahrung wichtig ist, ist für die Seele lichtvolle Nahrung von Bedeutung. Wie unser Körper besondere Beachtung braucht, wenn er nicht fit oder gar krank ist, wünscht sich unsere Seele Zeiten bewusster Hinwendung und Beachtung. Lassen wir die Idee ganz hinter uns, dass die Seele heute weiterhin so funktioniert, wie wir das vielleicht noch vor 20, 30 Jahren erleben durften. Es geht darum zu lernen, Verantwortung für das eigenen Seelenleben zu übernehmen. Wir alle befinden uns in einem immens grossen Lernprozess, der uns einmal mehr und einmal weniger herausfordert. Dass wir dabei immer wieder an die Grenze kommen, gleichsam an diese geführt werden, ist offensichtlich.


Es geht im Moment niemals darum, das was ist zu verneinen. Die aktuell schwierige Situation auf der Erde und im eigenen Leben ist vollumfänglich zu bejahen, so schwer das auch fällt. Wer „Nein“ sagt behindert den Fluss der Dinge und behindert sein Fortkommen. Eine bewusste Bejahung aller Herausforderungen ist erwünscht, um leichter durch die Stromschnellen zu kommen.
Weiterhin ist in dieser Zeit zu beachten, dass uns viele gute und positive Kräfte zur Verfügung stehen. Die Dunkelheit und die vielen Probleme und Herausforderungen lassen uns das manchmal vergessen. Die bewusste Hinwendung zu den positiven Kräften im Innern und im Aussen ist unerlässlich, um genügend seelische Nahrung und seelischen Schutz zu haben.


Es ist wichtig in diesen Zeiten zu lernen, ganz bewusst auf den eigenen seelischen Schutz (und den Schutz unserer Kinder) zu achten. Wir können uns die Welt momentan in vielerlei Hinsicht als einen tobenden Sturm vorstellen: die verschiedensten Kräfte, die hin und her wirbeln, sind sehr stark und vieles was geschieht ist vielen Mensch ZU VIEL. Wir sind aufgerufen uns innerlich und äusserlich noch klarer abzugrenzen und wir sind herausgefordert wirklich unterscheiden zu lernen. Es gilt unterscheiden zu lernen, was gut ist für die eigene Person und was nicht. Es gilt unterscheiden zu lernen, welche Kräfte hinter dem was uns aufgetischt wird wirken und es gilt wahrhaftig und in jeglicher Hinsicht sehen zu lernen. So verhindern wir, dass wir Kräften, die uns etwas vorgaukeln wollen, fälschlicherweise unser Licht zur Verfügung stellen.


Auch hier benötigen wir für die Herausforderungen der Zukunft das einzige „Messgerät“ auf das Verlass ist: unser Herz. Unsere Köpfe sind mit dem was auf der Welt geschieht schon längst überfordert. Sie haben tatsächlich die Übersicht und die Orientierung verloren und rudern traurig vor sich hin. Unser Herz muss her und zwar mit allergrösster Konsequenz.


Ohne die konsequente Entscheidung ein Herzmensch sein zu wollen und alles dafür zu tun, um auf der Herzebene aufzuwachen, geht uns das Herz verloren.


Wichtig ist: mit „Herz“ ist nicht Sentimentalität oder Rührseligkeit, „sich-ausnutzenlassen“ oder „sich zurückzustellen“ gemeint. Mit „Herz“ ist weder falsche Demut noch Selbstaufopferung gemeint. Mit „Herz“ ist das Gegenteil gemeint: Selbstfindung, Selbstbezug, Selbstorientierung. Wahrhaft am eigenen Herzen zu arbeiten und ein „Herzmensch“ zu werden bedeutet das Herz transparent zu machen für überpersönliche All-Liebe und Mitgefühl.


In diesem Sinne wünsche ich allen viel Mut und eine freudvolle Zeit!
Herzlichst
Anita