Beziehungsfähigkeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Manche denken, dass Beziehungen im Himmel geschlossen werden. Ich glaube, dass Beziehungen im Herzen beschlossen werden. Vielleicht sind beide Annahmen richtig.

 

Immer dann, wenn die eigene Herzenssonne unsere Beziehungen beleuchtet, können diese zu leuchten beginnen. Anders formuliert: unser Beziehungsleben wird uns erst glücklich machen, wenn wir uns mit unserem Herzen in die Beziehung hineingeben können.

 

Manche von uns kennen das Problem, dass sie sich in der Beziehung zu anderen Menschen „verlieren“.

 

In diesem Fall ist es hilfreich, sich die eigenen Grenzen bewusst zu machen.

 

Wenn wir unsere Grenzen nicht aufrechterhalten, ist das wie ein Verrat an uns selbst, wie eine Verletzung, die wir uns selbst zufügen.

Nehmen wir uns einen Moment Zeit und spüren in uns hinein. Wie häufig sind wir in unseren Beziehungen über unsere Grenze gegangen oder haben anderen erlaubt unsere Grenzen zu übergeben?

 

Die erste zentrale Beziehung im Leben eines Menschen ist die Beziehung zur eigenen Mutter. Wenn in diesem Beziehungsraum Kränkungen stattgefunden haben, sind wir in unserer Beziehungsfähigkeit verletzt.

 

Tatsächlich können wir von Beziehungsfähigkeit sprechen. Manche Menschen sind beziehungsbegabt und andere sind in ihrer Beziehungsfähigkeit eingeschränkt. Wir können unsere Beziehungsfähigkeit steigern, indem wir die Liebe zu uns selbst fördern. Immer dann, wenn wir in der Selbstliebe verankert sind, fliesst die Liebe von uns zu den Mitmenschen.

Und immer dann, wenn wir uns selbst beiseiteschieben, gehen auch unsere Mitmenschen leer aus und bekommen nicht wirklich Liebe von uns.

 

Viele von uns haben einen Herzensbezug zum überpersönlichen Raum der umfassenden, liebenden Göttlichkeit. Ohne einer Religion anzugehören, können wir empfinden, dass es eine Wirkungskraft hinter den Dingen gibt, die grösser, umfassender und liebevoller ist als wir selbst.

 

Indem wir uns innerlich diesem göttlichen Raum anvertrauen, schliessen wir uns an etwas Grösseres an. Wenn wir aus diesem Raum heraus auf das „Du“ zugehen, sehen wir im „Du“ die „allem innewohnende Göttlichkeit“.

Genauso wichtig wie im Gegenüber das Göttliche zu sehen, ist es, sich selbst zu lieben und das Göttliche im eigenen Wesen zu erfahren.

Wer das Göttliche in sich findet, wird es in jedem Menschen sehen.

Wenn wir im Gegenüber die verborgene, göttliche Liebe entdecken, werden wir auf der Herzensebene eins. Dann sind wir nicht mehr getrennt, nicht mehr befangen durch die Angst, dann erleben wir uns verbunden mit dem Du.

 

Doch wenn wir es im Alltag mit konkreten Begegnungen zu tun haben, versagen wir oftmals trotz aller guten Vorsätze. Die Dynamik zwischen zwei Menschen hat häufig etwas Unberechenbares und das lässt uns in einer Beziehung oft nicht vollständig zur Ruhe kommen.

„Was hat jetzt Frederike wieder mit dieser oder jener Aussage gemeint? Wie soll ich mich dazu stellen?“

 

In Beziehungen sind wir immer wieder in unterschiedlicher Weise herausgefordert. In keiner Beziehung können wir bewegungslos ausharren oder statisch zur Ruhe kommen. Beziehungen fordern uns immer auf, beweglich zu bleiben.

Mit Hans teile ich einen anderen Beziehungsraum als mit Ursula. Hans gegenüber verhalte ich mich anders als Ursula gegenüber. Selbst wenn ich wollte, ich kann nicht in einer einmal festgelegten Beziehungshaltung verweilen; ich muss mich immer wieder umstellen.

Jeder Mensch fordert uns auf, uns umzustellen. Aus dem sicheren Hafen des “für-mich-selbst-seins“ fahren wir aufs offene Meer hinaus und müssen den Raum mit anderen Schiffen teilen.

Beziehung ist nie statisch, sondern spielt sich immer im unberechenbaren Raum ab, der Überraschungen für uns bereithält ab.

 

Da wir uns selbst beständig verändern, verändert sich auch unser Standpunkt, den wir in Beziehungen einnehmen. Was gestern richtig war in dieser oder jener Beziehung kann sich heute schon nicht mehr richtig anfühlen. Wir können uns auch nicht auf einen einmal von uns eingenommenen Standpunkt verlassen.

 

Beziehungen fordern uns immer heraus zu wachsen. Wenn eine Beziehung unseren Wachstumsprozess nicht mehr fördert, schläft sie ein und wird zu einer Belastung. Beziehungen, die wir nicht mehr mit unserem Herzen durchdringen, die an uns kleben und uns belasten, lassen unseren Lebensfluss stagnieren und können uns schaden.

 

Ich bin jemand der viel Rückzug benötigt, um mich selbst zu finden, um meinen Grenzen zu spüren und um dann wieder offen auf mein Gegenüber zugehen zu können.

 

Wie stehst du in deinen Beziehungen?

15 Minunten

Im Januar 2017 beginnt das Seminar "Inneres Kind" in Aarau.